2007 wurde der Hafen vom damaligen Wirtschaftsminister Walter Hirche eingeweiht. Seitdem ist im Bereich der Ansiedlung neuer Firmen nur wenig geschehen.

von Heinz-Josef Laing (NWZ)


Friesoythe/Sedelsberg Die Kaianlage des Hafens „C-Port“ am Küstenkanal ist stolze 540 Meter lang. Hier können gleichzeitig bis zu fünf Schiffe der Europaklasse ihre Ladungen löschen. Doch nur selten macht ein Schiff fest. Bis unmittelbar an den Kai reicht das bis zu 280 Hektar große Areal mit Industrie- und Gewerbeflächen heran. Hier haben sich im südlichen Teil in den letzten Jahren vier Firmen niedergelassen. Mehr nicht. Der größte Teil der Flächen ist Brachland. Besser läuft es im nördlichen Teil. Dort wurden zahlreiche Gewerbeflächen verkauft und bebaut, meistens von örtlichen Firmen.



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Der damalige Wirtschaftsminister Niedersachsens, Walter Hirche (FDP), sprach von „vorausschauender Planung“, als er den Hafen im Juli 2007 eröffnete. Der CDU-Kreisvorstand attestierte dem Hafen sogar, er sei „Leuchtturm interkommunaler Zusammenarbeit“. Das Lob macht Sinn, denn schließlich haben sich mit der Stadt Friesoythe, dem Landkreis Cloppenburg und den Gemeinden Bösel, Saterland und Barßel fünf Kommunen zusammengeschlossen, um den Hafen am Kanal mit angrenzenden Industrie- und Gewerbeflächen zu realisieren.



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Viele Millionen Euro


Wenn auch mit Hilfe öffentlicher Gelder: Insgesamt flossen rund 20 Millionen Euro ins Hafenprojekt. Weitere Investitionen sollen folgen. So wird von der Bundesstraße 72 her eine neue Straßenbrücke den Hafen anschließen. Kostenpunkt: Rund drei Millionen Euro. Und wird erst der Gleisanschluss realisiert, werden weitere bis zu 25 Millionen Euro fällig. Das Planfeststellungsverfahren dazu wurde schon in die Wege geleitet.

Der Gemeinde Barßel ist die finanzielle Belastung zu viel geworden. Sie hat die Reißleine gezogen, steigt ganz offiziell per Ratsbeschluss aus dem Hafen-Projekt aus und schreibt rund 1,5 Millionen Euro an bisherigen Aufwendungen in den Wind. Der Barßeler Anteil wird jetzt unter den anderen beteiligten Kommunen aufgeteilt.

Doch inzwischen gibt es auch von dort kritische Stimmen. Martin Kropp, C-Port-Geschäftsführer, hat das „Scharen der Hufe“ in der Gemeinde Bösel bereits wahrgenommen. Aus der politischen Diskussion hält sich Kropp jedoch heraus. Sein Alltagsgeschäft ist das Anwerben von ansiedlungswilligen Firmen. Und das sei ein „sauschwerer Job“, wie er gesteht.

Das haben Kropp und die Kommunen bitter erfahren müssen, als der Traum von einer Groß-Ansiedlung vor zwei Jahren zerplatzte. 55 Millionen Euro wollten Investoren in eine Anlage stecken, mit der am C-Port der Hähnchenmist aus der Region vergast und zu Strom gemacht werden sollte.

Ausgeträumt haben sich auch Vorstellungen anderer Investoren, am C-Port Biogasanlagen in großem Stil zu bauen. Martin Kropp: „Das gehört hier nicht hin.“


Bröring braucht Kanal


Gut aufgehoben am C-Port fühlt sich Heiner Böring aus Dinklage (Kreis Vechta). Die Futtermittelfirma des Unternehmers ist seit einigen Jahren am Küstenkanal ansässig. Böring hat dort drei Millionen Euro in Umschlaganlagen investiert und verlädt Futtermittel, Dünger und Getreide vom Schiff auf Lastwagen. In den nächsten zwei Jahren will Bröring weitere zwei Millionen Euro investieren und langfristig ein Kraftfutterwerk errichten.

Abhängig macht Bröring seine Investitionen jedoch von der Politik. Denn Sorgen bereitet dem Unternehmer, dass die Bundesregierung den Küstenkanal in seiner Bedeutung herabstufen will (wir berichteten). Bröring setzt auf trimodale Verkehre von Schiene, Straße und Wasser. Der Unternehmer: „Wir brauchen dazu den Kanal als funktionsfähige Wasserstraße.“


„Weggeworfenes Geld“


Zunehmend kritisch begleitet die oppositionelle SPD die Entwicklung des Hafens. Hans Meyer, Kreistagsabgeordneter aus Gehlenberg, spricht von „erbärmlich wenig“ geschaffenen Arbeitsplätzen bei extrem hohen öffentlichen Investitionen. Meyer: „Wir müssen auf die Bremse treten und nicht weiter investieren. Den Bau einer Bahnanbindung halte ich für eine Illusion. Da ist jeder Euro weggeworfenes Geld“.

Unterdessen arbeitet Geschäftsführer Kropp am Marketing. Die Werbeprospekte für den Hafen bekommen ein moderneres Gesicht. Sie sollen „neue Zielgruppen“ ansprechen. Martin Kropp denkt an die Windenergiebranche. Schließlich sei die Kaianlage nicht ausgelastet – und Platz gibt es auf dem Brachland am Küstenkanal auch noch genug.



Erschienen bei NWZ, 18.08.2012

 

Text : Heinz-Josef Laing

Fotos : LuftbildBlogger

 

Artikel 21.08.2012 NWZ

 

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